Die Entstehung der modernen Architektur an der WATERKANT Berlin

Hochwertige Architektur mit einem modernen Raumnutzungskonzept und nachhaltiger Energieversorgung: Die WATERKANT Berlin ist ein Leuchtturmprojekt, an dem viele kreative Köpfe mitwirken. Darunter auch das Berliner Architekturbüro Eike Becker_Architekten, die das Konzept des ersten Teilprojektes erarbeitet haben.

Foto von Eike Becker

Gutes Zusammenleben und nachhaltiger Städtebau

Eike Becker hat einige Fragen zum neuen Kiez an der Havel in Berlin Spandau beantwortet.

Foto-Copyright: Adrian Jankowski

Was ist für Sie das Besondere an dem neuen Berliner Wohnviertel WATERKANT in Spandau?

Quartiersentwicklung ist Stadtplanung im Kleinen. Alles, was bei der Entwicklung einer Stadt wichtig ist, muss auch hier mitbedacht werden. Damit ein Quartier der gesamten Vielfalt der heutigen Gesellschaft gerecht wird, müssen sich unterschiedliche Alters- und Interessengruppen in ihm wiederfinden. Zudem müssen alle Ebenen ineinandergreifen. Geordnet, aber nicht zu geordnet. Das ist die Formel, die Quartiere lebenswert macht – und unsere Gesellschaft ein Stück weit besser.

Was war für Sie wichtig bei der Umsetzung?

Die Frage nach der gesellschaftlichen Utopie. Nach der Art und Weise, wie wir heute und in Zukunft zusammen leben wollen. Im Vordergrund stehen dabei die soziale Verantwortung und das gesellschaftliche Miteinander. Aber auch Fragen der Ökologie und der Mobilität gewinnen an Bedeutung. Quartiere wie WATERKANT Berlin sind ideal, um innovative Lösungen umzusetzen. So z.B. bessere Energie- und Mobilitätskonzepte, aber auch neue Formen der Partizipation und des gesellschaftlichen Miteinanders.

Wie war der Prozess von der Ursprungsidee zum Endergebnis des Bauprojekts an der Havel?

Am Anfang stand eine detaillierte Standortanalyse mit unseren Partnern Dahm Architekten und Convis. Daraus wurde in enger Zusammenarbeit mit der Gewobag ein Nutzungs-, Mobilitäts-, Nachhaltigkeits- und Realisierungskonzept abgeleitet, das nun in enger Abstimmung mit allen gesellschaftlichen Gruppen umgesetzt wird. Denn eine Quartierentwicklung ist nicht nur Aufgabe von Architekten und Stadtplanern. Sie muss als Gemeinschaftsaufgabe mit offenen Beteiligungsstrukturen verstanden werden, die folgende Fragen beantwortet: Wie kann eine lebendige Nachbarschaft gelingen? Wie können möglichst alle Bewohner von der Wasserlage profitieren? Wie nachhaltig kann das Quartier werden? Welche Mobilitätskonzepte lassen sich realisieren? Wie können wir mehr Lebensqualität für alle schaffen? Die Kunst besteht darin, aus diesem Meer an Meinungen und Möglichkeiten die beste Lösung für möglichst viele umzusetzen.

An welchen Vorbildern haben Sie sich orientiert?

Wer sich mit sozialem Wohnungsbau beschäftigt, kommt schnell zu den vorbildlichen Sozialsiedlungen der zwanziger Jahre: Onkel Toms Hütte, die Hufeisensiedlung oder die Wohnstadt Carl Legien sind herausragende Beispiele eines Bauens für eine bessere Welt. Wir wollen die Ansätze von damals in das Hier und Jetzt und Morgen übersetzen. Indem wir sie mit dem Wissen von heute neu definieren. Denn wir wissen heute so viel mehr über gutes Zusammenleben, funktionierende Nachbarschaften und nachhaltigen Städtebau. Wenn wir dieses Wissen verantwortungsvoll nutzen, kann das neue Quartier an der Oberhavel ganz besonders gut gelingen.